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100 Jahre Apotheke Graal-Müritz – Ein Jahrhundert Gesundheit vor Ort

100 Jahre Apotheke Graal-Müritz – Ein Jahrhundert Gesundheit vor Ort

Am 12. März 1926 erhielt Herr Linde, Inhaber der Apotheke in Ribnitz, die Genehmigung eine Filiale seiner Apotheke in Graal-Müritz zu errichten. Sie befand sich in der heutigen Kurstraße 35.

 

Versorgung für Einwohner und Badegäste

Mit der Gründung der Filiale wurde die pharmazeutische Versorgung der Einwohner ebenso gesichert wie die der zahlreichen Badegäste. Besonders für Kinder aus Industrie- und Großstädten war das Ostseebad ein Ort der Erholung und Genesung. Die Apotheke trug ihren Teil dazu bei, Kraft und Gesundheit zurückzugeben. Das Sortiment ging dabei über Arzneimittel hinaus: In einem Teil des Gebäudes wurden auch Parfümerien, Seifen und Toilettenartikel angeboten – eine Mischung aus Apotheke und Drogerie, wie es damals typisch war.

Damals konnte man Arzneimittel täglich bis 10 Uhr beim pharmazeutischen Großhandel bestellen. Die Lieferungen kamen mit dem Zug, erreichten um 13:30 Uhr den Bahnhof und wurden von dort in die Apotheke gebracht. Die Anfangsjahre waren sehr schwierig – insbesondere im Winter. Dann war die Apotheke lediglich drei Stunden täglich geöffnet.

Zwischen Enteignung und Verstaatlichung

Zum Ende des zweiten Weltkrieges versuchte die damalige Regierung, die Apotheke zu enteignen. Nach langem und hartem Kampf gelang es dem Inhaber jedoch, dies zunächst abzuwenden. Doch im Juni 1949 begann die großangelegte Verstaatlichung der Apotheken in der DDR. Ende der 1960er Jahre waren nur noch 12 Prozent der ostdeutschen Apotheken in Privatbesitz – die Ribnitzer Apotheke und ihre Filiale gehörten nicht mehr dazu.

1953 wurde es wirtschaftlich unmöglich beide Apotheken weiterzuführen. Die Steuerlast war zu hoch. Die Filiale in Graal-Müritz wurde deshalb in eine eigenständige Apotheke umgewandelt und dem Rat des Kreises unterstellt. Herr Poppe, Schwiegersohn von Herrn Linde und bereits seit 1946 als Verwalter tätig, übernahm die Leitung.

Für den neuen Status mussten zahlreiche Geräte für Labor und Rezeptur angeschafft werden. Die bisherigen Drogerieräume wurden geschlossen und fortan für den Apothekenbetrieb genutzt.

Wachstum und räumliche Grenzen

In den folgenden Jahren wuchs die Apotheke stetig, doch die räumlichen Möglichkeiten blieben begrenzt.  Ein geplanter Erweiterungsbau konnte nicht realisiert werden. 1976 ging Herr Poppe in den Ruhestand, und Frau Dr. Albrecht übernahm die Leitung.

Die Bevölkerung wuchs weiter, ebenso die Zahl der Urlauber und Kurpatienten. Immer wieder gab es Pläne zur Vergrößerung, doch letztlich konnten lediglich drei Nebenräume ergänzt werden. Die Platznot blieb eine ständige Herausforderung und bei Apothekenbegehungen der Aufsichtsbehörde ein Qualitätsmangel.

Neuanfang nach der Wende

Nach der politischen Wende 1990 begann ein neues Kapitel. Die Apotheke  wurde reprivatisiert und von Frau Dr. Albrecht  zurückgekauft.

Sortiment und gesetzlichen Vorgaben änderten sich grundlegend. Nach bundesdeutschem Recht musste eine Apotheke eine räumliche Einheit bilden,  Lagerräume und Toilette im Nebenhaus waren nicht mehr zulässig. Nach Ablauf einer Übergangsfrist drohte die Schließung der Apotheke durch die Aufsichtsbehörde.

Unter der Leitung von Frau Dr. Albrecht gelang 1993 schließlich der Umzug in neue Geschäftsräume in der Kastanienallee und die Umbenennung in „Ostsee-Apotheke“. Damit war die Zukunft des Standortes gesichert.

Nach beeindruckenden 49 Dienstjahren übergab Frau Dr. Albrecht am 1. Mai 2014 die Leitung an Frau Ellen Bencard.

Moderne Apotheke mit Tradition

Das stetig wachsende Arzneimittelsortiment, steigende behördlichen Anforderungen und der Anspruch, für Einwohner und Gäste umfassend da zu sein, machten einen erneuten Umbau erforderlich.

Ein modernes Kommissioniersystem vergrößerte die Offizin (ugs. Verkaufsraum)  und optimierte die Arbeitsabläufe. Eine Klimaanlage sorgt dafür, dass die gesetzlich vorgeschriebene Höchsttemperatur von 25 Grad nicht überschritten wird – ein wichtiger Beitrag zur Arzneimittelsicherheit. Zudem hielt ein leistungsfähigeres Computersystem Einzug.

Heute werden Arzneimittel viermal täglich bestellt und innerhalb weniger Stunden geliefert – ein enormer Fortschritt gegenüber der Zuganlieferung der 1920er Jahre. Über eine eigene App können Patientinnen und Patienten ihre Medikamente vorbestellen. Und wenn es die Gesundheit mal nicht zulässt, bringt eine Mitarbeiterin die Arzneimittel bis an die Haustür.

Mehr als nur Arzneimittel: Pharmazeutische Dienstleistungen

Doch eine Apotheke ist weit mehr als ein Ausgabepunkt für Medikamente. In den vergangenen Jahren haben sich die Aufgaben erheblich erweitert.

Pharmazeutische Dienstleistungen wie ausführliche Medikationsberatungen bei Polymedikation, standardisierte Blutdruckmessungen, Inhalationsschulungen oder individuelle Risikoanalysen stärken die Arzneimittelsicherheit und unterstützen Patientinnen und Patienten aktiv in ihrem Therapieerfolg.

Gerade die persönliche Beratung vor Ort ist durch nichts zu ersetzen. Ein Gespräch von Mensch zu Mensch, ein prüfender Blick auf Wechselwirkungen, das Erkennen von Problemen, bevor sie entstehen – das ist gelebte Gesundheitsversorgung. Hier zeigt sich der wahre Wert einer Apotheke im Ort: Kompetenz, Verantwortung und Nähe.

Ein Dank an das Team

100 Jahre Apotheke Graal-Müritz sind nicht nur eine Geschichte von Gebäuden, Vorschriften und Technik – sie sind vor allem eine Geschichte von Menschen.

Ein herzlicher Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit Fachwissen, Engagement, Geduld und Herzblut täglich für die Gesundheit der Einwohner und Gäste da sind. Ihr Einsatz – oft auch im Hintergrund – macht die Apotheke zu dem, was sie ist: ein verlässlicher Anlaufpunkt in allen Fragen rund um Arzneimittel und Gesundheit.

100 Jahre Verantwortung. 100 Jahre Wandel. 100 Jahre Vertrauen.

Und auch in Zukunft ein fester Bestandteil von Graal-Müritz.